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Eine passendere Redensart lässt sich wohl zur Beschreibung der 40. Auflage des 24H-Klassikers am Nürburgring nicht finden. Einmal mehr war bis zur Zielankunft am Sonntag um 16 Uhr nur klar, dass eigentlich nichts klar ist.
Das Eifelwetter zeigte sich zum Rennwochenende von seiner gutmütigen Seite. Während die traditionell eine Woche vor dem Rennen anreisenden Hardcore-Fans zunächst noch mit eisigen Temperaturen sowie Hagelschauern geschlagen waren, stiegen die Temperaturen peau a peau auf ein sommerliches Niveau an.
Die Topteams fanden also optimale Bedingungen vor, als sich die 40 Schnellsten der ersten beiden Zeittrainings am Freitagabend im neu geschaffenen Top 40-Qualifying auf die Jagd nach der Bestzeit machten. Dementsprechend purzelten die Fabelzeiten nur so, für die Pole lies sich der Betzdorfer Uwe Alzen (BMW Z4 GT3) nach furioser Fahrt schließlich eine 8:18 notieren, gefolgt vom Mamerow-R8 und dem bestplatzierten Mercedes SLS von Black Falcon. Die Tatsache, dass die ersten 10 Starterplätze innerhalb von 4 Sekunden lagen, verdeutlicht zum einen die hohe Leistungsdichte an der Spitze des mit 30 GT3-Fahrzeugen besetzen Feldes und bescheinigt den Regelhütern eine gelungene Realisierung der Balance of Performance.

Spektakulär bewegter Rowe-SLS von Zehe/Hartung/Rehfeld/Bullitt.
In Anbetracht der außerordentlichen Herausforderungen eines 24H-Rennens auf der Nordschleife ist der Startplatz allerdings für den Ausgang des Rennens völlig unbedeutend, so war der spätere Sieger nach dem Qualifying nur auf Seite 2 der Zeitenliste zu finden.
Schon bevor das 170 Wagen starke Feld am Samstag um 16 Uhr auf die Reise geschickt wurde, war klar, dass es ein hartes Rennen werden würde. Der erfahrene Ringfuchs Christian Menzel rechnete gar mit einem "Gemetzel" und sollte damit gar nicht so falsch liegen. Bereits in den ersten Runden nach dem Start gab es heftige Unfälle und Abflüge. Lange Gelbphasen, Interventioncars und Leitplankenreparatur-Trupps prägten das Bild der gesamten 24H. Besonders spektakulär wurde der Black Falcon SLS aus dem Rennen gerissen: auf der Döttinger Höhe platzte bei Tempo 270 der rechte Hinterreifen, selbiger hinterlies dem im Windschatten folgenden Phoenix Audi R8 noch einen Abdruck auf der Scheibe. Nach zwei heftigen Leitplankenkontakten war das Rennen für den SLS beendet. Über die Gründe der zahlreichen Reifenschäden, vor allem in der frühen Phase des Rennens, kann nur spekuliert werden. Herumliegende Trümmerteilen aus Carbon und leider auch Glasscherben und Nägel, die wohl durch "Fans" in den Nächten zuvor auf die Nordschleife gelangten, wurden von den Teams identifiziert.
Der Polesetter Z4 mit der Startnummer 19 konnte sich in der ersten Rennhälfte im engen Getümmel an der Spitze behaupten, bis er jedoch in der Nacht zu einem Wechsel der Antriebswellen länger an die Box musste und damit seine Siegchancen dahin waren. Bitter für das in Oschersleben beheimatete Schubert-Team: an dem zweiten eingesetzen Z4 mit der Startnummer 20 trat später der selbe Defekt auf, was auch hier die Hoffnungen auf den Gesamtsieg zunichte machte.

Wie an der Perlenschnur wird das GT3-Spitzenfeld an einer der Zahlreichen Unfallstellen vorbeigeführt.
So balgten sich schließlich die beiden Audi R8 von Phoenix und Mamerow mit den beiden Heico-SLS und dem Manthey Porsche um den Sieg. In der letzten Rennstunde erreichte die Handlung ihren dramatischen Höhepunkt. Nur noch 17 Minuten standen auf der Uhr, als der Heico-SLS #65 auf Platz 3 liegend mit defektem Kühler ausrollte. Zu dieser Zeit lag der Phoenix-Audi bereits komfortabel in Führung, gefolgt vom Mamerow-R8. Um den dritten Podiumsplatz entbrannte ein erbittertes Duell zwischen dem zweiten Heico-SLS #66 und dem Wochenspiegel-Porsche aus dem Manthey-Team. Das Duo kam 20 Sekunden vor Ablauf der Zeit in der Reihenfolge Porsche vor Mercedes von der Nordschleife auf die Start/Ziel-Gerade, als der Porsche plötzlich mit Benzinmangel ausrollte. Der Heico-SLS zog vorbei auf eine weitere Runde Nordschleife, während der Manthey-Porsche unmittelbar nach dem Zielstrich zum Stehen kam. Ein unaufmerksamer Renault-Clio-Fahrer, der wohl schon die Zielflagge erwartend zur Boxenmauer geschaut hatte, torpedierte nun den stehenden Porsche und sorgte mit dieser unfreiwillig komischen Situation für Kopfschütteln allerorten.
Wenig später kreutzte dann Marc Basseng im siegreichen Bilstein-Audi R8 vom Team Phoenix die Linie und belohnte die Audi-Truppe für ihre 3 Jahre andauernden Bemühungen, das prestigeträchtige 24H-Rennen am Nürburgring zu gewinnen. Das Podium komplettierte der Mamerow-R8 und der Heico-SLS #66.
Abschliessend bleibt zu bemerken, dass auch 2012 der Trend zur Professionalisierung des Rennens weiter fortgeschritten ist. Aus der ehemaligen Breitensport-Veranstaltung ist ein beinharter Schlagabtausch der Werke geworden, in dem kleine Privatteams und Enthusiasten nur noch eine Nebenrolle spielen. Obgleich das Rennen damit zweifellos an internationaler Bedeutung gewinnt, ist die Amateur-Romantik vergangener Tage doch weitgehend verlorengegangen. Darüber vermag auch der mit Sondergenehmigung startende Kissling-Manta nicht hinwegzutäuschen. Letztendlich obliegt es dem Zuschauer, diese Entwicklung zu beurteilen, ein einfaches "früher war alles besser" wird der Situation jedenfalls auch nicht gerecht. So spannend wie heuer war das Rennen nämlich selten.

Blitzsauberes C-Coupe von Markus Loos und Frank Eickholt auf Platz 52 in der Youngtimer-Trophy gesteuert.
Im Rahmenprogramm startete auch 2012 wieder das allseits beliebte 24H-Classic-Rennen über 4 Stunden. Das Feld von über 180 Startern setzte sich aus Youngtimer-Trophy und FHR-Langstreckencup zusammen, so war für Abwechslung vom Mini Cooper, über Kadett C-Coupe bis zum infernalischen BMW M1 gesorgt. Wenig Abwechslung sah man dagegen auf dem Podium, das fest in der Hand der Porsche 911 RSR Piloten war: Michael Schrey siegte vor Edgar Althoff und Charles Voggenreiter.
Ergebnisliste 24H
Ergebnisliste 24H-Classic Youngtimer
Ergebnisliste 24H-Classic FHR
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Lucas Pichl
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